60 tausend summende Gäste

 

Christian Andresen

Bienen auf dem Dach des Design Hotels The Mandala Hotel am Potsdamer Platz in Berlin Mitte

Summende Gäste auf dem Dach

 

Sie sind etwa 15 Millimeter klein, rundlich geformt und wiegen im Schnitt 82 Milligramm. The Mandala Hotel hat neue Longstay – Gäste, die nicht mit Geld für Ihre Unterkunft bezahlen, sondern mit ihrem vorzüglich schmeckenden Honig. Seit Mitte Mai befinden sich auf dem Dach des The Mandala Hotels zwei Stämme mit insgesamt 60 Tausend Honigbienen.

 

Warum hat das The Mandala Hotel Bienen auf dem Dach

Bienen sind vom Aussterben bedroht. Wenn es keine Bienen mehr gibt, gibt es keine Bestäubung und wenn es keine Bestäubung gibt, dann gibt es auch keine Wild- und Kulturpflanzen und kein Obst. Der ökologische Aspekt ist enorm.

Vor etwa 40 Jahren kam die sogenannte Varroamilbe aus Asien nach Europa. Diese nistet sich in die Bienenstöcke ein, frisst die Larvenbienen und gefährdet so das Leben der fleißigen Insekten. Aber auch der Klimawandel macht den Kleinen das Leben immer schwerer. Zwar sind die Bienen seit gut 80 Millionen Jahren hervorragend auf die kalte Winterzeit eingestellt, denn die Bienen heizen ihren Stock warm ein und sammeln während der Sommermonate Futtervorräte für den Winter, aber in den letzten Jahren wollte das Thermometer bis weit in den Winter hinein nie unter null Grad fallen. Deswegen legt die Bienenkönigin auch weiter fleißig Eier ab, denn sie hat den Eindruck, dass der Frühling bald einbricht. Normalerweise unterbricht die Königin ihre Legetätigkeit bei Frost, was die Vermehrung der Varroamilbe stoppt, aber so bekommt sie in diesen milden Wintern prima Larvennachschub.

 

Bienen auf dem Mandala Dach

Wir möchten dem entgegenwirken und etwas für unsere Umwelt tun. Natürlich freuen wir uns riesig über den Honig, der dabei herausspringt, aber wir leben in einer Zeit in der man nicht nur einmal oder zweimal über sein Tun nachdenkt. Wir möchten noch viele Jahre das Summen auf unserem Balkon und Garten im Sommer bei einem Erfrischungsgetränk lauschen und uns über den Anblick der schönen Blumen erfreuen.

Die erste Ernte im The Mandala Hotel

Mitte Mai durften wir unsere neuen Gäste in Empfang nehmen und ihr ein schönes Zuhause über den Dächern Berlins schenken. Zusammen mit unserer leidenschaftlichen Imkerin achten wir nun täglich auf das Wohlbefinden der fleißigen Bienchen. Nachdem sich die kleinen die letzten Wochen einleben durften, haben wir unseren ersten Honig ernten können.

 

Fleißige Honigbienen

Dabei wurde vorsichtig der Stock von der Imkerin im Schutzanzug geöffnet. Die ersten Wächterbienen kamen hervor. Mit einer sogenannten Stockmeisel lockerte sie behutsam die vollen Rahmen voneinander. Noch vor ein paar Wochen lötete unsere Imkerin die Rähmchen zurecht und brachte eine ein Millimeter dicke Schicht Wachs an, damit die Bienchen ihre Waben bauen können. Heute nimmt sie diese aus ihren Stamm und wir sind erstaunt zu sehen, wie sich die Rahmen mit dem Wachs verändert haben. Mit einem Handbesen für Imker streicht sie behutsam die Arbeiterbienen von den Waben. Was nicht so ganz einfach ist, denn die Bienchen lassen sich nur schwer von ihrer Arbeit losreißen. Nach und nach versammeln sich am Brutkasten immer mehr Wächter. Eigentlich verwendet unsere Imkerin einen Raucher, dieser sorgt dafür, dass die Bienen ruhig bleiben, aber heute, da geerntet wird, möchte sie lieber darauf verzichten, denn wer mag schon rauchigen Honig? Als wir die Rähmchen nun frei von ihren Arbeitern sehen, sind wir erstaunt welch Arbeit diese kleinen erbracht haben.

 

BienennestSie haben nicht nur die Rähmchen mit Wachs in kleine Waben geformt, sondern haben diese auch mit sehr viel Honig gefüllt. Die Bienen haben unsere Arbeitseinstellung, wie wir sie im Hotel leben, verstanden. Mit unseren vollen Rähmchen in der Küche unten angekommen geht es weiter mit der Entdeckelung. Denn die Honigbienen haben die vollen Waben ordnungsgemäß noch Bienenrichtlinienen sorgfältig mit Wachs verschlossen. Nachdem die Waben mit der speziellen Gabel nun entdeckelt wurden, kommen die Rähmchen in die Schleuder. Auf den ersten Blick sieht die Schleuder eher wie eine Waschmaschine aus früheren Zeiten aus, aber beim näheren Betrachten sehen wir die Körbe in der großen Trommel für die Rähmchen. Nun wird ordentlich gedreht und der Honig wird regelrecht aus den Waben geschleudert. Wir sind so stolz auf unseren ersten Honig und auf unsere fleißigen Bienchen. Wer hätte gedacht, das nach so kurzer Zeit und naja, nach so wenigen Sommertagen unsere Bienchen so viel Honig aus dem großen Tiergarten in Berlin sammeln konnten.

 

Honig wird geschleudert

 

Interessante Fakten:

  • Bienen leben im Sommer sechs Wochen und im Winter ca. sechs Monate
  • Sie verfliegen sich nicht in den falschen Stamm, denn Sie riechen ihre Königin
  • Zuerst ist die Biene eine Putzbiene und muss nach dem Schlüpfen ihren Kokon säubern, dann wird sie zur Heizbiene und dann erst zur Arbeiterbiene
  • Es gibt die Bienenkönigin, Arbeiterbiene und die Wächterbiene
  • Bienen suchen anhand Ihres Kokons ihre Königin aus
  • Bienen fliegen in einen Radius von 3-5 km und täglich mehrere Kilometer

 

In und um Berlin wächst die Imkergemeinschaft so stark wir noch nie, denn mittlerweile zählen wir ca. 5000 Imker. Auch unsere Imkerin Frau Breuer ist neues Mitglied im Verein. Als Anwältin hat sie immer einen vollen Terminkalender. Die Arbeit mit den Bienen hilft ihr sich zu entspannen und den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Somit ist die Honigbiene nicht nur das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier, sondern auch ein Wesen mit dem der ein oder andere seine Freizeit gern verbringt.

 

Bitte gehen Sie uns auf den Keks

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